Familie

Eltern werden ist nicht schwer – Paar bleiben umso mehr

April 13, 2017

Wird man schwanger, ja dann prasseln so einige gute Ratschläge auf einen ein und man wird bombardiert mit unzähligen Erfahrungen und Dingen, die auf einen zu kommen werden. Ein gutes Beispiel dafür ist das man ja die Schmerzen der Geburt sofort wieder vergessen wird, wenn man erst sein Baby im Arm hält. Eine romantische Aussage nur leider sieht die Wahrheit meistens etwas anders aus, denn man vergisst die Schmerzen viel eher weil die nach der Geburt weiterhin so groß und anhaltend sind, dass man sich erstmal mit dem Hier und Jetzt beschäftigt. Naja, kurz gesagt es werden so einige Dinge verschwiegen oder einfach nicht thematisiert.

Kennt ihr den Spruch „Eltern werden ist nicht schwer“?

Paar bleiben dafür aber umso mehr. Ein Thema was wohl viele von uns betrifft und kürzlich hat die liebe Sarah auf ihrem Blog einen lustigen und wahren Artikel über die Sache mit der Liebe geschrieben und da mich das Thema selbst beschäftigt möchte ich dazu auch etwas loswerden.

Wusstet ihr das bei 50% aller Scheidungen minderjährige Kinder im Spiel sind und 40% dieser Trennungen im ersten Lebensjahr der Kinder stattfinden? Angeblich ist diese Rate bei unverheirateten Paaren noch viel höher. Doch was will ich eigentlich damit sagen?

Ein Kind zu bekommen ist (in den meisten Fällen) nicht schwer, aber sie großzuziehen ein unwahrscheinlicher Kraftakt, den man vorher so in seinem Leben nicht kannte. Schlaflose Partynächte tauscht man gegen schlaflose Nächte ein, in denen das Kind einfach nicht zur Ruhe kommt und man sich nichts sehnlicher wünscht endlich schlafen zu können und das obwohl man in seinem eigenen Bett liegt. Überhaupt ist das Baby im ersten Jahr und noch darüber hinaus wie ein zartes Pflänzchen bzw. ein Sämling. Ja, das habe ich an dieser Stelle extra gegoogelt. So ein Sämling braucht unfassbar viel Liebe, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Sicherheit um zu gedeihen.

Nach der Geburt könnten wir uns kein größeres Glück als unser Baby vorstellen und so ist es selbstverständlich das wir unserem Baby alles geben was wir geben können. Nur leider geben wir in den meisten Fällen wirklich alles. All‘ unsere Liebe, all‘ unsere Energie und all‘ unsere Nerven. Das Konstrukt „Paar“ hat zu dieser Zeit einfach keinen Platz und das ist auch total normal, denn in erster Linie ist man kein Paar mehr, sondern eine Familie. Ein Paar +1 kann gar nicht funktionieren, ohne sich als Paar eine Auszeit von der Familie zu nehmen.

Die Zeiten, in denen man vor dem Einschlafen noch gekuschelt hat und beim Schlafen Händchen gehalten hat sind sowas von vorbei! Vor allem dann wenn man in einem Familienbett schläft. Da liegt nämlich nun, am besten quer, ein wundervolles Geschöpf über das man hinweg schlecht kuscheln kann.

Es gibt Dinge die fehlen mir… Kuscheln, in Ruhe einen Film gucken, nicht an Morgen denken, spontan und leidenschaftlich sein. Diese Dinge sind aber nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Wir kümmern uns in erster Linie um unseren kleinen Keimling, denn im Gegensatz zu ihm sind wir als Paar so sehr gefestigt wie eine alte Linde oder Buche. Ach was weiß ich, halt irgendein Baum und die bestehen ja meistens schon ziemlich lange und es dauert nochmal wie länger bis sie morsch werden.

Wir haben schon einiges erlebt. Viele Höhen und auch ein paar Tiefen und über die sind wir als Paar gewachsen und können uns im Grunde so sehr aufeinander verlassen, das es gerade okay ist so wie es ist. Fast 10 Jahre waren wir nur ein Paar und seit etwas mehr als einem Jahr sind wir eine Familie.  Ich denke jedes Paar das auf einem fest verankerten Fundament aufbaut, schafft dieses erste anstrengende Jahr auch wenn es von Verzicht geprägt sein wird. Nach diesem ersten Jahr wird es vielleicht nicht einfacher, aber man weiß mittlerweile gut worauf man sich eingelassen hat und vielleicht wird das Kind nun einmal mehr im Monat für ein paar Stunden outgesourct um sich bewusst zu machen, das man auch noch ein Paar sein kann.

Das Eltern sein ist ziemlich schwer wenn man allem und jeden gerecht werden möchte, aber man muss sich nun mal etwas einschränken und ich bin mir sehr sicher aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wenn ihr merkt ihr braucht mehr Zeit für Euch als Paar nehmt Euch eine Auszeit ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Es gibt doch bestimmt auch so einen klugen Spruch wie „Glückliche Eltern, glückliche Kinder“.

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5 Comments

  • Reply Julia April 7, 2017 at 10:31 am

    Wir sind seit 4 Wochen frisch gebackene Eltern… 🙂
    Ein sehr toller Artikel!
    Liebe Grüße, Julia.

    • Lisa
      Reply Lisa April 7, 2017 at 10:38 am

      Liebe Julia, herzlichen Glückwunsch! Die erste Zeit ist so aufregend und wundervoll! Ich freue mich das dir der Beitrag gefällt <3

  • Reply Dani April 7, 2017 at 12:25 pm

    Zugegeben: Ich finde, heute wird überall alles thematisiert. Und ja, natürlich vergisst man die Schmerzen nach der Geburt und das hat einen einfachen Grund: Ich schätze 90% aller Mütter würden NIE WIEDER ein Kind gebären, würden sie die Details nicht vergessen. Ich habe drei Jahre gebraucht, um überhaupt wieder darüber nachzudenken, ob ich nochmal schwanger werden wollen würde – und das ganz ohne stressige Geburt…

    Ich war mit dem Vater meiner Tochter übrigens 10 Jahre zusammen als das Kind kam – wir haben uns dann halt im dritten Jahr getrennt und es vorher lange geschafft, aneinander vorbei zu leben. Eine WG mit Kind passt ja auch. Und wir Menschen sind schwerfällig.
    Ich denke, das hat nichts mit Fundamenten zu tun, sondern so oder so ist und bleibt eine Beziehung nun mal Arbeit. Mit oder ohne Kind. Und sobald sich Menschen verändern und das im schlechtesten Fall in entgegen gesetzte Richtungen tun, ist das Fundament ziemlich schnell total irrelevant. Was nicht passt, wird passend gemacht (um auch mal eine Phrase loszuwerden) funktioniert gern überall, aber nicht bei Beziehungen.

  • Lisa
    Reply Lisa April 7, 2017 at 12:31 pm

    Hallo liebe Dani, damit wollte ich nur ansprechen das halt über die unangenehmen Dinge nicht geredet wird wie einen Dammriss, Schmerzen an Narben oder entzündeten Nähten. Das kommt zwar immer mehr, aber ich finde man sollte wissen worauf man sich einlässt.

    Vielleicht hätte ich schreiben sein ein glückliches Fundament. 🙂 Für mich ist klar, dass sobald ein Kind kommt der Ofen aus ist wenn die Beziehung davor schon für den Arsch war. Ob man es nun vorher gemerkt hat oder nicht.

  • Reply Ulli April 7, 2017 at 4:26 pm

    Hallo Lisa, schöner Artikel. Nach meiner Erfahrung werden werdende Eltern zu wenig vorbereitet! Wir hatten schon vor der Geburt unserer ersten Tochter viel Gespräche zu unseren Ängsten, auch mit der Hebamme. Dadurch sind wir realistisch ran gegangen. Wir waren einstellt auf die totale Veränderung und das war gut so. Wir haben Kinoabende zu Hause gemacht. Mit Knabberkram & Co, nicht übers Baby geredet! Jetzt haben wir Nummer 2. Und wenn das Bett belegt ist, bleiben wir zum kuscheln auf dem Sofa 😉

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